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Andreae Volkmar (05. 07. 1879 - 18. 06. 1962)




Andreae Volkmar




Biographie

Volkmar Andreae wurde am 5. Juli 1879 in Bern geboren und verstarb am 18. Juni 1962 in Zürich. Er war Sohn des Apothekers Philipp Andreae und der Adelina Perroni. Andreae verbrachte die Jugend in Bern, hatte ab dem fünften Lebensjahr bei Selma Stämpfli und bis zur Matur 1897 an der Musikschule Bern bei Ernst Denhof und Dominik von Reding Klavierunterricht. Bei Karl Munzinger (1842-1911) wurde Andreae in Komposition und Theorie unterrichtet. Die weitere Ausbildung zwischen 1897-1900 erfolgte am Kölner Konservatorium gleichzeitig mit Fritz Brun. Andreae studierte bei Franz Wüllner (1832-1902) Komposition und bei Friedrich Wilhelm Franke (1862-1932).

Um 1900 übernahm Volkmar Andreae die Tätigkeit eines Solorepetitors an der Münchner Hofoper. Danach kehrte er nach Bern zurück, wo er für kurze Zeit an der dortigen Universität Philosophie studierte. 1901 erfolgte die Einberufung zum Militärdienst. 1899 hatte Andreae bereits die Rekrutenschule absolviert und plante, sich ganz dem Militärdienst zu widmen. Die Freunde Joseph Viktor Widmann und Friedrich Hegar konnten ihn aber davon abhalten. Besonders während des Ersten Weltkriegs war Andreae oftmals wegen Militärdienst von den Dienstpflichten in der Zürcher Tonhalle entbunden. Er kommandierte seit 1913 das Schützenbataillon 3. Mit der Kantate "Charons Nachen" op. 3 trat Andreae am 22. Dezember 1901 erstmals in Bern auf. Ab November 1902 (bis 1949) leitete Andreae den "Gemischten Chor Zürich". Er hatte die Nachfolge von Hermann Suter (1870-1926) angetreten, der als Leiter der "Allgemeinen Musikgesellschaft" nach Basel gewechselt war. Kurz danach wurde Andreae neben Carl Attenhofer (1837-1914) zweiter Direktor des "Männerchors Zürich". Ab dem 1. Juli 1904 bis 1924 war er ständiger Dirigent dieses Chores. Zwischen 1902 und 1914 leitete er zudem den "Stadtsängerverein Winterthur".

Nach einigen Stellvertretungen für den erkrankten Friedrich Hegar im Jahre 1904 und weiteren Verpflichtungen im folgenden Jahr übernahm Volkmar Andreae nach dem Rücktritt von Hegar ab 1906 das Amt des Kapellmeisters des Tonhalle-Orchesters. Erst 1949, mit siebzig Jahren, trat Andreae von diesem Posten zurück. Im Rahmen dieser Tätigkeit absolvierte er nicht nur zahllose Abonnementskonzerte, sondern zeigte sich 1901 auch verantwortlich für das Tonkünstlerfest des "Allgemeinen Deutschen Musikvereins" (ADMV) oder 1936 für die Durchführung des Internationalen Bruckner-Festes. Am 14. Mai 1907 heiratete Andreae Elisabeth Landis. Der Ehe entsprangen drei Kinder: Hans, Ruth und Marianne. 1911 erhielt Andreae einen Ruf als Leiter des "New York Philharmonic Orchestra" als Nachfolger von Gustav Mahler, den er jedoch ablehnte. Zwischen 1913 und 1917 war Andreae Leiter des "Zürcher Studentengesangsvereins". Diese Anstellung verlieh ihm, wie zuvor Carl Attenhofer, die Stellung eines Universitätsmusikdirektors. Die damit verbundene "venia legendi" erlaubte es ihm, eine zweisemestrige Vorlesung über "Die musikalische Form bei Beethoven" zu halten. Am 18. April 1914 wurde Andreae der Ehrendoktortitel der Universität Zürich verliehen. Ebenfalls 1914 übernahm er die Direktion des Konservatoriums Zürich als Nachfolger von Carl Attenhofer (1837-1914). Dort unterrichtete er neben Partiturspiel auch Dirigieren und Komposition. Seit 1919 arbeitete Andreae mit Carl Vogler (1874-1951) zusammen, der bis 1945, nachdem Andreae 1939 das Amt aufgegeben hatte, der Institution vorstand.

Seit den 1920er Jahren nahmen Andreaes Engagements im Ausland weiter zu. So dirigierte er 1922 die "Berliner Philharmoniker" und unternahm mit diesem Orchester anschliessend eine Konzertreise durch die Schweiz. Andreaes Einsatz für die professionellen Musiker in der Schweiz zeigte sich in seinem Engagement für den "Schweizerischen Tonkünstlerverein" (STV), der 1900 gegründet wurde und dem er seit 1909 im Vorstand, zwischen 1918 und 1920 als Vizepräsident und von 1920 bis 1925 als Präsident vorstand. Bei seinem Rücktritt wurde er zum ersten Ehrenpräsidenten des STV ernannt. Wichtige Aufführungen seiner eigenen Werke, etwa der Oper "Abenteuer des Casanova" 1924 in Dresden, gingen im Ausland über die Bühne. Nach dem Rücktritt an der Tonhalle Zürich, wo er auch viel zeitgenössische Musik erklingen liess, etwa auch Werke seines guten Freundes Othmar Schoeck, verstärkte sich Andreae Tätigkeit als Gastdirigent im Ausland. Erwähnenswert neben Konzerten in Deutschland, Italien, Frankreich und Spanien sind besonders seit Kriegsende die Konzerte mit den "Wiener Philharmonikern". Diese Arbeit wurde mit der Verleihung der "Nicolai-Medaille" geehrt.

Lukas Näf

Bildnachweis: © Zentralbibliothek Zürich


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